Tradition vs. Zukunft

Niklas Birkemeyer

Die Gestaltung bzw. Überarbeitung eines Vereinslogos braucht Fingerspitzengefühl. Im Falle von Preußen Münster zog der Vorstand das neue Emblem zurück, nachdem es sowohl in der Fangemeinde als auch in der Design Community auf reichlich Kritik gestoßen war. Wir haben es uns nicht nehmen lassen ein paar Sätze dazu zu sagen, uns vor allem aber auch intern mal mit einem Gegenentwurf zu beschäftigen.

Interessant eigentlich, dass für die Neu-Gestaltung eine Design Agentur von außerhalb (Jung van Matt, Hamburg) beauftragt wurde. Statt dem neuen Slogan "Tradition mit Zukunft" hieß es wohl erstmal Tradition vs. Zukunft. Dazu sei allerdings gesagt, dass die Aufgabe ein über Jahrzehnte mit Tradition und Emotion aufgeladenes Vereinslogo zu überarbeiten eine knifflige ist. Das laute Aufheulen der Fangemeinde ist fast immer vorprogrammiert. Und die Entscheidung ein neues Wappen zurückzuziehen ist sicherlich eine genauso schwierige wie die es zu rechtfertigen. 

Mal scheint dieser Prozess etwas subtiler zu verlaufen, mal findet der Aufschrei über das Resultat seinen Weg in jegliche Nachrichten und Social Media Kanäle. Für den zuletzt größten Aufruhr sorgte wohl das Re-Design von Juventus Turin (hier nachzulesen). Hier wurde nicht nur überarbeitet, es wurde eher über den Haufen geworfen. Aber wie mit so vielen umstrittenen Veränderungen scheinen sich die meisten damit inzwischen zufrieden gegeben zu haben. Es sprechen sicherlich immer Gründe dafür und dagegen sowohl aus Sicht eines Fans als auch der eines Designers. Zuletzt muss allerdings der Vereinsvorstand entscheiden wie sie mit den Reaktionen umgehen wollen. Im Falle von Juventus Turin blieben sie überzeugt. Preußen Münster hingegen nimmt vorerst wieder Abstand vom Re-Design. Man wolle die Fans für den nächsten Versuch enger in die Entscheidung einbeziehen…

Juventus Turin hat zwar gezeigt, dass auch traditionsgeladene Embleme stark entfremdet letztendlich begeistern können, der neue Preußen-Adler scheiterte aber wohl eher an anderer Stelle. Er wurde so weit vereinfacht, dass er an Ausdruck verloren statt an Modernität gewonnen hat. Das Designtagebuch schrieb liebevoll von einem „gerupften Huhn“ (hier nachzulesen). Denn der Charme des alten Adlers liegt doch eigentlich vor allem in seiner Ausdrucksstärke. Einen gewissen Kampfgeist sollte so ein Wappentier wie der Preußen-Adler unbedingt ausstrahlen. So haben wir in unserem internen Entwurf versucht die gesunde Mitte zu finden um genau diesen Ausdruck zu erhalten oder gar zu verstärken.

Die Federn laufen nun noch spitzer zu, Abstände in der Krallenregion wurden größer aber vor allem die Kopfdetails wurden eher hervorgehoben als wegreduziert. Die feinen weißen Linien im Inneren durften trotzdem weichen. Auch erschien uns die überarbeitete Typografie nicht plakativ genug. Das „P“ und „1906“ haben wir wieder in ein kräftigeres Gewand gehüllt. Der schnelle Entwurf ist sicherlich nicht ausgereift und nur ein Kompromiss von alt und neu – wir bleiben dennoch gespannt wie es mit dem Adler weitergehen wird.

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